Reduzieren statt kompensieren

Text aus oeku Nachrichten verfasst von François Périllon. Quelle: „oeku Nachrichten, Nummer 3/2018, https://www.oeku.ch/de/documents/oeku-NR_Seite_web_deutsch.pdf

Die Schweiz hat 2015 an der Klimakonferenz in Paris die Absicht bekräftigt, ihren CO2-Ausstoss bis 2030 gegenüber 1990 zu halbieren sowie andere Länder in deren Klimazielen zu unterstützen. Dafür müssen im neuen CO2-Gesetz finanzielle Mittel bereitgestellt werden. Doch die Schweizer Klimapolitik macht es sich zu einfach, wenn sie meint: «Wir sind reich und können es uns leisten, die augestossenen, treibhausschädliche Gase zu kompensieren, indem wir – ein wenig – an ausländische Projekte zahlen». Auch wenn wir unseren CO2-Ausstoss um mindestens 3% pro Jahr senken sollten, hat der Bund nur gerade 1% pro Jahr eingeplant. Im Verkehr sind überhaupt keine wirkungsvollen Massnahmen vorgesehen, trotz neuer Autos, die viel Treibstoff brauchen und trotz der Zunahme des Flugverkehrs um 4% pro Jahr. Der aktuelle Entwurf zur Totalrevision des CO2-Gesetzes schwächt zudem die Gebäude-Energiesparprogramme, obwohl diese erste Früchte tragen. Zudem werden die Einwohner und Einwohnerinnen nicht angehalten, sparsamer mit den Ressourcen umzugehen. Die eidgenössische Strategie basiert im Wesentlichen auf dem Erwerb von Emissionszertifikaten und der CO2-Kompensation: Wir kompensieren unseren exzessiven CO2-Ausstoss und zahlen für die Energieeinsparung im Ausland. Auf dem Papier mag dies vielleicht aufgehen: Mit dem Geld aus der Schweiz können diese Länder mehr Projekte verwirklichen, als sie mit ihren eigenen Mitteln finanzieren könnten. Doch kürzlich zeigte ein Bericht des Bundes, dass das System der CO2-Kompensation nur schlecht funktioniert: Die Massnahmen sind schlecht definiert, es braucht viel Bürokratie und der Erfolg ist zweifelhaft.
Und vor allem: Ein solches System ist ethisch nicht haltbar. Papst Franziskus erinnerte in der Umweltenzyklika Laudato Si: «Dieses System (An- und Verkauf von Emissionszertifikaten) scheint eine schnelle und einfache Lösung zu sein, die den Anschein eines gewissen Umweltengagements besitzt, jedoch in keiner Weise eine radikale Veränderung mit sich bringt, die den Umständen gewachsen ist. Vielmehr kann es sich in einen Behelf verwandeln, der vom Eigentlichen ablenkt und erlaubt, den übermässigen Konsum einiger Länder und Bereiche zu unterstützen (171)». Der Papst – wie viele andere auch – mahnt uns zu Grosszügigkeit im eigentlichen Sinn: Zu schenken, ohne eine Gegenleistung zu erwarten und sich aufrichtig für einen Wandel im Umgang mit unseren Ressourcen einzusetzen. Es bleibt zu hoffen, dass das eidgenössische Parlament diese weise Stimme hört.

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