{"id":4628,"date":"2026-03-19T09:24:09","date_gmt":"2026-03-19T09:24:09","guid":{"rendered":"https:\/\/ahornblatt.ch\/simonboller\/?p=4628"},"modified":"2026-03-19T09:24:09","modified_gmt":"2026-03-19T09:24:09","slug":"sorry-falsch-verbunden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ahornblatt.ch\/simonboller\/index.php\/2026\/03\/19\/sorry-falsch-verbunden\/","title":{"rendered":"Sorry, falsch verbunden!"},"content":{"rendered":"\n<p>Nachfolgend ein Beitrag aus der Zeitschrift <strong>Oliv &#8211; Die gr\u00fcnen Seiten des Lebens<\/strong>. Link zur Webseite <a href=\"http:\/\/www.oliv-zeitschrift.ch\">www.oliv-zeitschrift.ch<\/a><\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>Fr\u00fchling, Sommer, Herbst oder Winter ist mir eigentlich egal &#8211; abends und in der Nacht sitze ich gerne mit lieben Menschen irgendwo draussen um ein offenes Feuer herum. Oben leuchten die Sterne, unten flackert das Feuer. Wir reden miteinander, wir h\u00f6ren einander zu, wir schweigen gemeinsam, schauen,den eigenen Gedanken \u00fcberlassen, in die Glut, und nicht selten beginnen wir zu singen, zu trommein und zu tanzen. Und so mancher Feuergast, der sicherheitshalber erst noch allen sagen muss, dass er weder singen noch trommeln noch tanzen kann, entpuppt sich im Verlauf der Nacht als endlich frei gelassenes Naturtalent, aus dem die pure, wilde Lebensfreude str\u00f6mt wie ein von allen Barrieren befreiter m\u00e4chtiger Fluss.<br>\u00abIch habe mich schon lange nicht mehr so verbunden mit allem gef\u00fchlt\u00bb, h\u00f6re ich dann oft, meist gefolgt vom Nachsatz: \u00abDas m\u00fcssen wir unbedingt wieder mal machen.\u00bb Mich freut das jeweils sehr, denn das Gef\u00fchl echter Verbundenheit mit sich selbst, der Erde und allen sichtbaren und unsichtbaren Wesen ist leider keine Selbst-Verst\u00e4ndlichkeit mehr. Noch nie, las ich k\u00fcrzlich in einem Zeitungsbericht, h\u00e4tten sich so viele Menschen einsam gef\u00fchlt wie heute. Nicht einfach allein, nein, einsam und mit nichts und niemandem verbunden. Am allerwenigsten mit sich selbst. Das ist ein himmeltrauriger Zustand. Aber wie kommt das nur? Nie zuvor in der Geschichte waren wir Menschen Tag und Nacht so eng miteinander verbunden, und das global: per Telefon, Zoom, auf Facebook, Instagram, Tinder, Snapchat, Tiktok, Grindr, Telegram, WhatsApp und was weiss ich noch allem. Noch nie zuvor war das Leben materiell so reich. Das Gl\u00fcck ist als Sonderangebot und Liebe auf Bestellung immer nur einen Mausklick weit entfernt- und trotzdem f\u00fchlen sich immer mehr Menschen leer, ausgebrannt und eben einsam. Der j\u00e4hrlich steigende Konsum von Antidepressivaund legalen und illegalen Drogen best\u00e4tigt das. Was mich dabei besonders ersch\u00fcttert sind die Meldungen, dass immer mehr Kinder und Jugendliche davon betroffen sind.<br>Heerscharen von Psychologen, Soziologen und Psychiatern forschen nach den Ursachen, und machen unter anderem Stress, Leistungsdruck, materielle \u00dcbers\u00e4ttigung aber auch Angst vor Wohlstandsveriust und Umweltkatastrophen daf\u00fcr verantwortlich. Wowitan Uha Mani, Medizinmann der Lakota aus South Dakota, sieht das einfacher: \u00abIhr habt die Verbindung zur Erde und damit zu euch selbst verloren\u00bb, sagt er. \u00abEure digitalen Feuerstellen und euer materieller Reichtum geben keine Herzensw\u00e4rme ab.\u00bb <br>Wie recht er hat, denke ich jedes Mal, wenn ich im Tipi ein Feuer anz\u00fcnde und beobachte, wie ruhig und entspannt die darum herumsitzenden Menschen werden; wie die, die sich vorher fremd waren, n\u00e4her zusammenr\u00fccken und echte N\u00e4he und Verbindung zueinander aufnehmen; wie sie einf\u00fchlsam aufeinander eingehen und sich vertrauensvoll \u00f6ffnen &#8211; und sich einige pl\u00f6tzlich einfach umarmen. Manchmal mit Lachen, manchmal mit Tr\u00e4nen. Dann singen, dann trommeln und dann tanzen wir und sind nicht mehr Banker, \u00c4rztin, Lehrer oder Kaminfegerin, sondern einfach nur noch Kinder der Erde.<br>Schliesslich wollen wir nicht enden wie jenes Paar, das ein Slampoet so beschrieb: \u00abUnd abends liegen sie R\u00fccken an R\u00fccken im Bett &#8211; und streicheln ihre Handys.\u00bb Da kann ich wirklich nur sagen: \u00abSorry, falsch verbunden.<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p>Markus Kellenberger ist Autor und Journalist. In seiner Kolumne \u00abWettenwanderer\u00bb richtet er den Blick auf das Unspektakul\u00e4re &#8211; auf die kleinen Begebenheiten, in denen sich oft die grossen Fragen verstecken. An seinen \u00abFeuerabenden\u00bb im Tipi l\u00e4dt er Menschen dazu ein, innezuhalten, um Kraft zu sch\u00f6pfen, markuskellenberger.ch. Der Kolumnist \u00e4ussert seine pers\u00f6nliche Meinung. Diese muss nicht mit der Meinung der Redaktion \u00fcbereinstimmen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nachfolgend ein Beitrag aus der Zeitschrift Oliv &#8211; Die gr\u00fcnen Seiten des Lebens. Link zur Webseite www.oliv-zeitschrift.ch Fr\u00fchling, Sommer, Herbst oder Winter ist mir eigentlich egal &#8211; abends und in der Nacht sitze ich gerne mit lieben Menschen irgendwo draussen um ein offenes Feuer herum. Oben leuchten die Sterne, unten flackert das Feuer. 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