{"id":3613,"date":"2021-09-19T09:03:47","date_gmt":"2021-09-19T09:03:47","guid":{"rendered":"https:\/\/ahornblatt.ch\/simonboller\/?p=3613"},"modified":"2021-09-19T09:03:47","modified_gmt":"2021-09-19T09:03:47","slug":"irren-ist-nuetzlich","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ahornblatt.ch\/simonboller\/index.php\/2021\/09\/19\/irren-ist-nuetzlich\/","title":{"rendered":"Irren ist n\u00fctzlich&#8230;"},"content":{"rendered":"\n<p>Aus dem gedruckten FOLIO der Berufsbildung Schweiz, Nr. 4\/21, welche unter <a href=\"https:\/\/www.bch-fps.ch\/folio\/1848-2\/archiv-2021\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">https:\/\/www.bch-fps.ch\/folio\/1848-2\/archiv-2021<\/a> publiziert werden.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"538\" src=\"https:\/\/ahornblatt.ch\/simonboller\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/irren-ist-nuetzlich-1024x538.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-3624\" srcset=\"https:\/\/ahornblatt.ch\/simonboller\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/irren-ist-nuetzlich-1024x538.jpg 1024w, https:\/\/ahornblatt.ch\/simonboller\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/irren-ist-nuetzlich-300x158.jpg 300w, https:\/\/ahornblatt.ch\/simonboller\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/irren-ist-nuetzlich-768x404.jpg 768w, https:\/\/ahornblatt.ch\/simonboller\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/irren-ist-nuetzlich-1100x578.jpg 1100w, https:\/\/ahornblatt.ch\/simonboller\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/irren-ist-nuetzlich.jpg 1200w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption><em>Buchcover: Henning Beck: Irren ist n\u00fctzlich, Carl Hanser Verlag M\u00fcnchen<\/em><br>Quelle: https:\/\/riff.media\/images\/Hanser-Beck-Irren.jpg?w=1200&amp;h=631&amp;fit=crop-50-50&amp;s=1b84e82c1d81721cd13f5a46dacee6a5 aufgerufen am 19.09.2021<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>In der Schule ist er so selbstverst\u00e4ndlich wie die L\u00f6cher im Schweizer K\u00e4se: der Rotstift der Lehrperson. Er transportiert eine klare Botschaft: Fehleranzeige! Wichtiger als diese Funktionszuschreibung sind die R\u00fcckwirkung auf das Verhalten der Lernenden. Wenn am Ende eines Lernprozesses dessen Erfolg \u00fcber die Zahl der rot markierten Fehler gemessen wird, dann ist Fehlervermeidung f\u00fcr die Lernenden das oberste Gebot. <\/p>\n\n\n\n<p>Auch dies muss zun\u00e4chst nicht problematisch sein. P\u00e4dagogisch bedenklich wird erst die dahinter liegende Lernhaltung. Das Lernen richtet sich darauf aus, die m\u00f6glichst eindeutige und richtige Antwort bez. L\u00f6sung auf m\u00f6gliche Pr\u00fcfungsaufgaben zu identifizieren und diese in der Pr\u00fcfung zu erinnern und zu reproduzieren. Antworten bzw. L\u00f6sungen werden dann nicht kognitiv erarbeitet, sondern memorisiert und gespeichert. Denkrichtungen wie &#8222;Warum ist etwas falsch?&#8220; bzw. &#8222;Unter welchen Bedingungen k\u00f6nnte es trotzdem richtig sein?&#8220; bleiben in dieser Logik zumeist ausgespart. Dies f\u00fchrt schnurstracks in eine abgepackte, fade Welt von Schule, in der vor lauter Antworten die Frage erstickt werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Eine solche Lernhaltung passt nicht zu offenen Problemstellungen aus vielen Lebensbereichen, zu denen h\u00e4ufig keine richtige oder falsche L\u00f6sung existiert, sondern &#8222;nur&#8220; plausible und nachvollziehbare Begr\u00fcndungen f\u00fcr eine vertretene L\u00f6sung gefordert sind. Irren ist n\u00fctzlich &#8211; eine Grundweisheit in vielen Bereichen der gesellschaftlichen und \u00f6konomischen Praxis, offensichtlich aber nur bedingt in der Schule!<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>Wenn wir keinen Fehler machen, dann bedeutet das, dass wir nicht gen\u00fcgend neue Dinge ausprobieren.<\/p><cite>Philip Knight<\/cite><\/blockquote>\n\n\n\n<p>Sie m\u00f6gen einwenden, dass Fehlervermeidung auch in der Lebenspraxis unverzichtbar ist. Wer m\u00f6chte schon in einem Flugzeug steigen, dessen Steuerung von einem Piloten verantwortet wird, der sich tastend und explorativ mit den M\u00f6glichkeiten seines Ger\u00e4tes vertraut macht? Oder sich von einem Chirurgen operieren lassen, der aus seinen Fehlern lernen m\u00f6chte und daher eine Operation als ein willkommenes Experiment versteht? In vielen Lebensbereichen m\u00fcssen wir uns darauf verlassen, dass Menschen keine Fehler machen &#8211; der GAU von Tschernobyl, eine Explosion der Challenger-Raumf\u00e4hre oder die vielen t\u00e4glichen Verkehrsunf\u00e4lle zeigen uns jedoch, dass Fehler menschlich sind und trotz aller Sicherheitssysteme nicht vermieden werden. Die Beispiele zeigen zugleich, dass es wohl unterschiedliche Fehlerarten gibt &#8211; solche, die m\u00f6glichst zu vermeiden sind, und solche, die f\u00fcr das menschliche Lernen wertvoll sind.<\/p>\n\n\n\n<p>Wertvoll sind Fehler und das Lernen aus ihnen immer dann, wenn subjektiv und objektiv eine Herausforderung (noch) nicht bew\u00e4ltigt werden kann. So ist die Erkenntnisgewinnung in der Wissenschaft nichts anderes als Lernen aus Fehlern. Eine Theorie wird aufgestellt, widerlegt, verfeinert &#8211; und h\u00e4ufig erneuert widerlegt. In Nachhinein ist unvorstellbar, wie man glauben konnte, was einmal als eine unverr\u00fcckbare Wahrheit galt. Die Erde ist eine Scheibe und der Mittelpunkt des Universums &#8211; bis Kopernikus, Galileo Galilei und Johannes Kepler diese Theorie durch eine neue ersetzten. Die Luftfahrt ist sicherer geworden, weil die Berichte von zahllosen Zwischenf\u00e4llen ausgewertet wurden und verstehende Abl\u00e4ufe ver\u00e4ndert haben. Lernen erfolgt nicht nur an guten Beispielen, sondern auch an schlechten!<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn wir keinen Fehler machen, dann bedeutet das, dass wir nicht gen\u00fcgend neue Dinge ausprobieren. Lernende d\u00fcrfen keine Angst haben, Fehler zu machen. sonst haben sie Angst, Entscheidungen zu treffen. Lernen aus Fehlern erfordert nicht zuletzt Lehrende, die ihren Blick beim Erkennen von Fehlern nicht prim\u00e4r auf den Rotstift, sondern auf das Lernpotenzial von Fehlern richten. Fehler sind demnach nicht aus dem Lernprozess zu verbannen, sondern als eine hilfreiche Etappe in dessen Ablauf zu nutzen. Seitens der Lehrperson erfordert dies<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li>die Schaffung eines sozialen Klimas und der psychologischen Sicherheit, in der Fehler akzeptiert und zu einem plausiblen Ergebnis gef\u00fchrt werden:;<\/li><li>die Geduld, Fehler von Lernenden geschehen zu lassen;<\/li><li>ein Wissen \u00fcber typische Fehler von lernenden in jeweiligen Fach;<\/li><li>die F\u00e4higkeit zu lernf\u00f6rderlichen emotional ermutigenden R\u00fcckmeldungen bei auftretenden Fehlern.<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p>Der analoge Rotstift mag im digitalen Zeitalter durch andere Formen der Fehleranzeige ersetzt werden &#8211; die durch ihn ausgel\u00f6ste Haltung bei den lernenden ist damit nicht auch schon verschwunden!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Aus dem gedruckten FOLIO der Berufsbildung Schweiz, Nr. 4\/21, welche unter https:\/\/www.bch-fps.ch\/folio\/1848-2\/archiv-2021 publiziert werden. 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